BVZ: Warum segelt das Kammerorchester Joseph Haydn unter neuem Segel?
Katrin Gstöttenbauer: Das ist ganz einfach zu erklären. Das Orchester tritt in einer Kammerbesetzung kaum auf, sondern meist in großer symphonischer Besetzung. Die Umbenennung in Haydnorchester erfolgt auch deshalb, weil die Bevölkerung uns selbst als Haydnorchester bezeichnet. Es ist aber auch schon lange der Wunsch der Mitglieder des Orchesters.
BVZ: Die neue Website markiert einen Punkt des Wandels. Was ist ihnen und dem Orchester besonders wichtig?
Gstöttenbauer: Wir haben uns jetzt auf die Socken gemacht, um unsere Jugendarbeit intensiv zu betreiben. Haben auch in unseren Statuten festgehalten, dass wir natürlich neben der Pflege der Werke Joseph Haydns genauso für die Förderung junger regionaler Nachwuchskünstler verantwortlich sind. Wir arbeiten so auch verstärkt mit dem Konservatorium und den Musikschulen zusammen. Die Professoren und Lehrer spielen mit ihren Schülern bei uns. Und wir haben jetzt bereits sehr viele junge Leute und damit viel neues Potential gewonnen. Das ermöglicht uns auch einen Qualitätsschub.
BVZ: Der Qualitätsschub hat bereits 1981 eingesetzt. Wolfgang Lentsch hat hier das künstlerische Niveau kontinuierlich gehoben.
Gstöttenbauer: Absolut. Lentsch ist einfach eine Persönlichkeit, der das Orchester – abgesehen von seinem Können – mit viel Menschlichkeit und Herzlichkeit führen kann. Das G’spür muss eben stimmen und das hat er.
BVZ: Geht es jetzt noch mehr in Richtung Qualität beim Haydnorchester?
Gstöttenbauer: Die Qualität wird nicht nur bei uns, sondern überall besser, weil die Ausbildungen immer besser werden und auch das Niveau steigt. Das ist ganz klar.
BVZ: Anders gefragt, gibt es eine weitere Professionalisierung?
Gstöttenbauer: Freilich, wenn man eine Konzertmeisterin (Anm.: Johanna Ensbacher) hat, die ausgebildete Solistin ist, am Konservatorium studiert hat und auf der Musikuniversität in Wien ihren Abschluss macht, macht sich das bemerkbar. Wir versuchen es einfach noch ein bisschen besser zu machen.
BVZ: Als Obfrau, kann ich mir vorstellen, ist es nicht so einfach den ganzen Musikerhaufen zusammenzuhalten?
Gstöttenbauer: Das ist bei uns nicht schwierig.
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BVZ: Kein strenges Regiment?
Gstöttenbauer: Nein, wir sind ein total netter und familiärer Verein. Es hat schon immer gut funktioniert. Egal, welche Altersschichten, wir sind einfach ein tolles Team und ich habe von allen Seiten Unterstützung. Deshalb mache ich das auch.
BVZ: Es steht in den nächsten Wochen Einiges an. Die Neujahrskonzerte werden geprobt und nun auch erweitert?
Gstöttenbauer: Es gibt immer wieder Anfragen und wir haben uns entschieden auch im Vinatrium in Deutschkreutz aufzutreten.
BVZ: Welches Programm steht im Neujahr am Programm?
Gstöttenbauer: Vor allem Strauß, es wird aber auch etwas Besonderes von Haydn gespielt und wir haben in den Kulturzentren auch die burgenländische Solistin Elisabeth Fruhmann dabei, die drei Stücke mit uns aufführen wird.
BVZ: Das Haydnjahr steht an. Was für Highlights bietet das Orchester?
Gstöttenbauer: Wir planen ein tolles Riesenprojekt für 2009. Ein Solistenkonzert am 9. Oktober. Die Idee ist folgende: Wir wollen hier speziell junge burgenländische Instrumentalkünstler fördern. Wir haben uns bei den Konservatorien und beim burgenländischen Musikschulwerk schlau gemacht und haben uns vier junge Künstler ausgesucht, die alle auf einem sehr hohem Niveau spielen, aber noch nicht das Instrument studieren.
BVZ: Und diese Nachwuchskünstler treten beim Konzert auf?
Gstöttenbauer: Wir eröffnen mit einer Ouvertüre und danach treten die Vier solistisch mit unserem Orchester auf. Die Pianistin und Cellistin spielen je einen Satz aus einem Haydnkonzert. Die Klarinettistin einen Satz aus einem Mozartkonzert und die Oboistin bekommt ein eigenes Werk vom Burgenländer Johann Hausl komponiert. Das ist einzigartig. Die Jugendlichen haben so die Chance mit einem Symphonieorchester aufzutreten und das ist schon fantastisch. Und was mir auch besonders gefällt, ist, dass jeder einen eigenen Laudator hat: Wir haben die Popgruppe „garish“, Peter Schmidl – den Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker, wir haben Marialena Fernandes und den Direktor des Haydn-Konservatorium, Walter Burian. Das ist für uns ein Superprojekt und dafür versuchen wir noch Sponsoren zu bekommen. Ich glaube, dass das Projekt gut angenommen wird, weil es gerade unsere Region betrifft, weil die Leut’ was überhaben für unsere Künstler.
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